Aktuell kursieren in Deutschland gefälschte Inkassoschreiben, die im Namen real existierender oder komplett erfundener Rechtsanwaltskanzleien hohe Geldsummen fordern. Verbraucherzentralen aus mehreren Bundesländern warnen unabhängig voneinander vor dieser Masche, die seit einigen Wochen verstärkt auftritt.

Die Masche: Angebliche Lotterieverträge

Wer derzeit Inkassoschreiben aus dem Briefkasten zieht, sollte erstmal innehalten, denn Kriminelle verschicken aktuell gefälschte Schreiben im Namen von Kanzleien. Darin werden hohe Summen für angebliche Lotterieverträge eingefordert, wobei das Geld für Dienste wie "Eurochance 24", "Euromaxx24" oder "Eurotipp" gefordert wird, wie die Verbraucherzentrale informiert. Die vermeintlichen Inkassobriefe tragen den Betreff "Letzte außergerichtliche Geltendmachung".

Besonders perfide: Die Täter nutzen dabei teils komplett erfundene Namen, teils aber auch die Identität echter Anwältinnen und Anwälte. Als Verantwortliche melden sich unter anderem eine komplett erfundene Rechtsanwältin sowie zwei tatsächlich existierende Kanzleien. Beide echten Kanzleien existieren wirklich, sind aber nicht für die Briefe verantwortlich – die Betrüger täuschen zudem mithilfe von gefälschten Webseiten Seriosität vor.

Konkreter Fall in Sachsen

Wie professionell die Betrugsmasche wirken kann, zeigt ein von der Verbraucherzentrale Sachsen dokumentierter Fall aus Meißen. Ein unscheinbarer Umschlag mit brisantem Inhalt: Eine täuschend echte Zahlungsaufforderung im Namen einer real existierenden Rechtsanwaltskanzlei sorgte dort für Verunsicherung. Verlangt wurden über 3.500 Euro im Auftrag einer angeblichen Lotterie-Vermittlung, angeblich wegen eines telefonisch abgeschlossenen Gewinnspiel-Abonnements.

Tatsächlich handelte es sich nicht um einen Brief der echten Kanzlei – vielmehr wurden deren Name sowie der Name des genannten Rechtsanwalts missbräuchlich verwendet, um Seriosität vorzutäuschen und Zahlungsdruck aufzubauen. Auffällig war der starke Druck, kurzfristig eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, und die im Schreiben genannte Telefonnummer gehörte nicht zur tatsächlich existierenden Kanzlei. Die betroffene echte Kanzlei warnt inzwischen selbst auf ihrer Internetseite vor der missbräuchlichen Nutzung ihrer Daten und hat Anzeige erstattet.

Woran Sie Fake-Inkassoschreiben erkennen

Was Betroffene tun sollten

Wer ein unseriöses Schreiben erhält, sollte keinesfalls überweisen oder in anderer Form mit dem Fake-Unternehmen in Kontakt treten, Strafanzeige erstatten und keine Einzugsermächtigung erteilen. Bewahren Sie Ruhe, zahlen oder reagieren Sie nicht vorschnell, und holen Sie im Zweifel Beratung bei der Verbraucherzentrale ein, bevor Sie reagieren.

Wer selbst ein verdächtiges Schreiben erhalten hat, kann dieses zusätzlich unkompliziert mit dem Prüf-Tool auf fake-rechnung-erkennen.de auf typische Fälschungsmerkmale untersuchen lassen, um eine erste Einschätzung zu erhalten – ersetzt aber keine individuelle Rechtsberatung.

Was ist die aktuelle Betrugsmasche mit Inkassoschreiben?
Kriminelle verschicken Briefe im Namen echter oder erfundener Rechtsanwaltskanzleien, die hohe Geldsummen für angebliche Lotterieverträge fordern, meist unter dem Betreff 'Letzte außergerichtliche Geltendmachung'.
Woran erkenne ich ein gefälschtes Inkassoschreiben?
Warnsignale sind ausländische IBANs, sehr kurze Zahlungsfristen, fehlende Einträge im Amtlichen Anwaltsverzeichnis sowie unbekannte Verträge, an die Sie sich nicht erinnern können.
Was soll ich tun, wenn ich so ein Schreiben erhalten habe?
Nicht zahlen, keine Einzugsermächtigung erteilen, den Absender selbstständig recherchieren (nicht über die im Brief genannten Kontaktdaten) und Anzeige bei der Polizei erstatten.

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